Eigentlich ist die erste Trommel, die ich gebaut habe, aus einer Panne entstanden. Beim Versuch unser erstes Leder zu gerben (es handelte sich um einen kleinen Steinbock) ist leider auf der Fellseite die Epidermis nicht ganz entfernt worden. In der Folge wurde dieses Leder ganz hart.. Nun musste irgendwas mit diesem Stück "Karton" angefangen werden. Hier kam mir ein gutes Buch über indianisches Handwerk zugute, in dem ich oft herumgeschmökert habe. Für eine Trommel sollte das Leder hart sein, also haben wir uns entschieden ein solches Ding zu bauen. Es fehlte uns nur noch ein Stück Baumstamm und ein kleines Ästchen. Einen halben Nachmittag lang sind wir durch die Wälder der Region getreift und haben nach einem geeigneten Baumstrunk gesucht! Es war kaum ein sauber geschnittenes Stück zu finden. Obschon eigentlich Hartholz geeigneter gewesen wäre, habe ich mich für ein Stück Tanne entschieden, das nun nach Hause geschleppt wurde. Für den Schläger fand sich sehr schnell ein Birkenästchen welches schön gerade war. Nun war zwar das Holz zuhause, konnte aber nicht verarbeitet werden, da es noch feucht war. So habe ich es im Eingangsbereich deponiert und dort etwa zwei Monate belassen.

Als meine Frau zum zweiten Versuch des Gerbens ansetzte, habe ich die Zeit genutzt und angefangen den kleinen Baumstrunk auszuhöhlen. Schon bald musste ich feststellen, dass diese Arbeit nichts für zarte Bürohändchen ist. Innert kurzer Zeit begannen die Gelenke zu schmerzen, aber ein echter Indianer hält durch - ich durfte danach erfahren wie es ist, eine halbe Woche lang mit Verband durch die Welt zu latschen und doofe Fragen zu beantworten!
Nach ein paar Stunden mit Hammer und Stechbeitel hantieren war das Werk vollbracht, der kleine Baumstrunk war ausgehöhlt. Nun ging es daran den leicht erhärteten Steinbock so zurecht zu schneiden, dass ich erstens den Strunk oben und unten schön abdecken konnte und zweitens das sperrige Ding in den Abwaschtrog hineinkriegte um es einzuweichen. Aus dem Rest wurden die Spannschnüre geschnitten, die dem Trommelfell in den Trog gefolg sind. Nachdem das Leder nun wieder weich war, konnte es aus dem Wasser genommen werden und wurde gründlich abgetrocknet. Eine Ölmassage sollte verhindern, dass das Leder wieder ganz hart wurde. Nun wurde der eine kreisrunde Lappen Leder schön flach auf einen Tisch gelegt, der ausgehöhlte Baumstrunk darauf gestellt und der zweite Lappen schön darüber gebüschelt. Mit einer Ahle habe ich nun die Löcher vorbereitet, um danach die Lederschnüre durchzuziehen. Das Ganze konnte ich jetzt satt aber nicht zu fest verspannen, da nasses Leder sich beim Trocknen noch zusammenzieht.

Nun ging es an den Schläger - dazu habe zuerst einmal das Birkenstöckchen geschält und geglättet. Ein etwa faustgrosses Stück Steinbockleder (ebenfalls eingeweicht und gut geölt) sollte als Polster dienen. Jetzt kam die grosse Frage, womit ich dieses Ding denn füllen sollte, denn es durfte weder zu hart noch zu weich sein. In der Garage stiess ich auf die Lösung - ich fand (Erdebeeren sei Dank) noch einen schönen Rest Holzwolle. Diese gut zusammengeknüllt und in das Lederstück verpackt, wurde es mit einem nassen Lederriemen an das Stöckchen gebunden. Nach dem Trocknen ergab sich ein Schläger mit einer festen, aber nicht zu harten Polsterung. Nachdem auch die Bespannung der Trommel trocken war, musste sie natürlich sofort getestet werden - mit erstaunlichem Resultat.
Ich hätte nie gedacht, dass ein Stück Holz von ca. 40 cm Höhe und 20 cm Durchmesser, bespannt mit natürlichen Leder einen zwar hohen aber sehr vollen Ton hervor bringt! Wen wundert da noch, dass die grossen Beckentrommeln die durch indianischen Handwerker gebaut und zu Teil sogar noch mit Wasser gefüllt werden, einem durch Mark und Bein gehen können.
Also Leute, wenn Ihr Lust bekommen habt, selbst mal so etwas zu basteln, dann wagt es einfach - eine Trommel zu bauen ist wirklich nicht allzu schwer. Aber auch hier gilt, keine Maschinen verwenden und Respekt vor dem Objekt haben, das Ihr erschafft. Es wird ein wunderbares Erlebnis werden,wenn die Trommel zu ersten Mal erschallt!

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aktualisiert am: 29.07.2008